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Standortmarketing Allgäu

Warum ist es so wichtig für eine ländlich geprägte Region, die Alleinstellungmerkmale des Standortes nach außen zu kommunizieren?

Kerstin Duchardt:

Metropolregionen besitzen z. B. viele Forschungseinrichtungen und umsatzstarke Unternehmen und profitieren somit von gut ausgebauter Mobilitätsinfrastruktur und weiterführenden Bildungseinrichtungen.

Menschen sind sich aber häufig mehr der Aspekte bewusst, die ihnen fehlen. Für eine ländliche Region ist es deshalb umso wichtiger, den Menschen, die dort leben bewusst zu machen, welche Vorteile ihr Leben abseits der Metropolen bietet. Und Menschen, die in diese Region ziehen sollen, muss gezeigt werden, was ihnen im Großstadtleben nicht geboten werden kann.

In der heutigen Zeit der „Work-Life-Balance“ haben ländliche Regionen gute Chancen, diese Freiräume aufzuzeigen.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für das Regionalmarketing des Allgäus?

Kerstin Duchardt:

Ein Politiker wird gewählt, um eine Kommune, eine Stadt oder eine Gemeinde zu führen und bestmöglich zu entwickeln. Und jetzt sollen viele Politiker an einem Strang ziehen und sich gemeinsam vermarkten? Sie unterliegen einem Interessenskonflikt. Dieses Kirchturmdenken zu überwinden ist die größte Herausforderung für das Regionalmarketing.

Was hat sich seit der Einführung der Dachmarke „Allgäu“ im Jahr 2011 geändert? 

Kerstin Duchardt:

Es ist eine stufenweise Entwicklung eingetreten: Einer der sieben ranghöchsten Politiker des Allgäus hat sich hervorgetan und erkannt, dass wir mit unseren begrenzten Budgets nur gemeinsam etwas bewirken können. Er wurde der Primus inter Pares.

Das Logo haben wir als Ansteckpin herausgegeben, so dass es zum No-Go wurde, für jeden in der Öffentlichkeit stehenden Menschen aus dem Allgäu, es nicht zu tragen.

Zudem wurden weitere Werbemaßnahmen durchgeführt wie Autoaufkleber, Busaufkleber oder ein begehbarer Würfel, der die Vorzüge des Allgäus für die hiesige Bevölkerung erlebbar machte und im Allgäu tourte. Plötzlich wollte jeder Teil der Gemeinschaft der Allgäuer sein, auf die man stolz ist.

Dann kam die wichtigste Erkenntnis:  Wir wollten keine reine Herkunftsmarke mehr sein, sondern eine Qualitätsmarke: Ein Produkt oder eine Dienstleistung dürfen heute nur die Marke „Allgäu“ führen, wenn sie gewisse Qualitätskriterien einhalten. Dieser Schritt war der wohl wichtigste für den Markenprozess. Die viele Arbeit lohnt sich, denn inzwischen verspricht die Marke attraktive Spitzenleistungen.

Was waren Ihre bisher größten Erfolge?

Kerstin Duchardt:

Dazu gibt es zwei Sichten:

Nach innen betrachtet (also im und für das Allgäu) ist unser größter Erfolg, dass wir es geschafft haben, gemeinsam die Dachmarke zu erarbeiten und sie zu leben.

In der Außenwirkung sind unsere größten Erfolge, dass wir als Destination den Superbrand-Award 2012 gewonnen haben. Diese Auszeichnungen erhalten sonst eher Firmen wie Mercedes Benz oder MILKA.

Im Jahr 2014 waren wir mit unserem Imagefilm beim Deutschen Preis für Onlinekommunikation unter den letzten fünf Kandidaten und standen in Konkurrenz mit Kuka und Moët Hennessy, deren Werbebudgets ein Vielfaches des Allgäus betragen.

Im darauffolgenden Jahr haben wir den deutschen ADAC Tourismuspreis gewonnen. So erreichten wir eine mediale Aufmerksamkeit, die wir finanziell gar nicht hätten einkaufen können.

Zudem war es eine besondere Anerkennung, dass wir die Marke auf der Welt-Tourismuskonferenz in Andorra als Best-Practice-Beispiel vorstellen durften.  

„Menschen sind sich mehr der Aspekte bewusst, die ihnen fehlen. Für eine ländliche Region ist es deshalb umso wichtiger, den Menschen, die dort leben bewusst zu machen, welche Vorteile ihr Leben abseits der Metropolen bietet. „

Kerstin Duchardt, CEO EUREGIO via salina

Was ist in der Anfangsphase wichtig? Welchen Rat würden Sie Ostbelgien mit auf den Weg geben?

Kerstin Duchardt:

Zwei Aspekte fallen mir dazu ein:

  1. Nehmen Sie die Bewohner in Ihrer Entwicklung mit! Machen Sie Workshops, leben Sie Bürgerbeteiligung. Besonders in so überschaubaren Regionen wie Ostbelgien oder dem Allgäu ist das hervorragend möglich.
  2. Grenzen Sie sich ab von anderen Destinationen! Erarbeiten und erkennen Sie Ihre Besonderheiten und konzentrieren Sie sich auf diese. Es ist besser sich auf etwas Weniger zu konzentrieren, was dann aber hochwertig ist.

Kerstin Duchardt (M.A.)  war an der Strategieentwicklung und -umsetzung in der Allgäu GmbH als Strategische Wirtschaftsförderin und Regionalentwicklerin beteiligt.

Heute ist Frau Duchardt Geschäftsführerin der EUREGIO via salina. Es handelt sich dabei um die Beratungs- und Begleitungsstelle für EU-Fördergelder (INTERREG). Die 88 Mitglieder stammen aus Bayern, Tirol und Vorarlberg.