Ein ganz persönlicher Blick auf die Geschichte der Vennbahn

Vom Abenteuerspielplatz zum Touristenmagneten

Als Teil der ostbelgischen Identität verkörpert die Vennbahn die Geschichte der Region: Die Deutschen erbauten sie aus strategischen Gründen, später übernahmen die Belgier die Eisenbahnstrecke. Diese veränderte das Landschaftsbild der Region: Ihre Brücken, Bahnhöfe und Schienenwege prägen die Mittelgebirgslandschaft wie Tätowierungen.

In der Gründerzeit brachte die Eisenbahn den Menschen die dringend erforderliche Verbindung zwischen Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien. Darüber hinaus beeinflusste die Vennbahn die Wirtschaft in der Eifel positiv. Mit ihr gelangte Wohlstand in vorher ärmlichen Gebiete.

Vennbahn verbindet Länder, Regionen und Familien

Das Schicksal meiner Familie ist eng mit dem Schienenweg verbunden. So ging es auch vielen anderen Familien in der Region. Mein Großvater kam um die Jahrhundertwende aus der Region Monschau nach St. Vith. Hier wurde die Eisenbahn zum Jobmotor. Meine Eltern erzählten mir oft von ihren Zugfahrten durch die Grenzregion. Und sie berichteten, dass die Bahn den ersehnten Kontakt zu Familienmitgliedern in weiter entfernten Städten ermöglichte.

„Die Vennbahn ist nicht nur ein touristischer Hoffnungsträger, sondern auch Bindeglied für eine ganze Region. Sie bietet umweltfreundliche Bewegungsmöglichkeiten mit hohem Freizeitwert und sorgt für Jobs und neue Einnahmequellen.“ Jörg Weishaupt

Bahngelände als Abenteuerspielplatz

Ich selbst durfte die Vennbahn in den 70er Jahren aus meiner ganz eigenen Perspektive erleben: Das zum Teil brach liegende Eisenbahngelände in St. Vith war für uns Kinder ein riesiger Abenteuerspielplatz. Dort konnten wir unbeobachtet mit herumliegendem Holz, mit Eisen oder anderen interessanten Gegenständen spielen. Denn nur selten passierte ein mit Holz beladener, dieselbetriebener Güterzug den einst stolzen Bahnhof. Dieser war in eine Art Dornröschenschlaf verfallen.

Touristen und Ostbelgier genießen auf dem Vennbahnweg die herrliche Natur

Später erweckten verschiedene Initiativen Bahnhof und Gleiswege zu neuem Leben. Als die Vennbahn zum Radweg umgebaut wurde, hat mich das sehr gefreut. Als begeisterter Radfahrer nutze ich die Strecke gerne und häufig. Mit der Wiederbelebung der Vennbahn rückten die Ortschaften in Ostbelgien sowie die benachbarten Regionen wieder enger zusammen. Aachen, Monschau, Sourbrodt, Weismes, Montenau, St. Vith, Burg-Reuland und Ulflingen waren durch das „grüne Band“ wieder miteinander verbunden.

Seit drei Jahren arbeite ich bei der Tourismusagentur Ostbelgien unter anderem für die Vermarktung der Vennbahn. Aus meiner persönlichen Perspektive ist die Strecke jedoch weit mehr als ein Marketing-Produkt: Sie ist wichtiger Teil der Geschichte dieser Region, hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. Heute steht sie für umweltfreundliche Fortbewegung mit hohem Freizeitwert für Einheimische und Touristen. Und ganz nebenbei sorgt sie abermals für neue Jobs und Einnahmequellen. Die Trasse ist daher nicht nur ein touristischer Hoffnungsträger, sondern auch Bindeglied für eine ganze Region.

Jörg Weishaupt, Sankt Vith

Ausführliche Informationen zur Vennbahn finden Sie hier.